Hinter Hunde-Warnschildern „lauern” zumeist nette Kerlchen

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 „Vorsicht bissiger Hund!“, „Ich passe auf!“, „Betreten auf eigene Gefahr“ – Warnschilder dieser Art stehen und hängen zuhauf in den Vorgärten von Wietzenbruch. Doch: Halten die Hinweise, was sie androhen? Die CZ machte sich auf eine tierisch gefährliche Recherche-Tour: Welche beißwütigen Hunde-Ungeheuer lauern hinter welchen Schildern?

Verdächtig ruhig ist es in Vorgarten Nummer eins. „Vorsicht! Er könnte schlecht gelaunt sein! Betreten auf eigene Gefahr“, so die Warnung am Gartenzaun, neben der Abbildung eines grimmigen Schäferhundes. Wer hier mit zittrigen Händen das Tor öffnet, zittert lange. Fax hat es nicht eilig. Die elfjährige Schäferhunddame liegt im Garten unter Tannen und bequemt sich nur nach langem Zureden von Frauchen zu einem kurzen Fototermin. Gebissen? Hat das Tier noch nie. Nur einmal geschnappt, als ein Kind es zu ausdauernd geärgert hat. „Das Schild hängt hier nur zur Absicherung. Bei uns ist zweimal eingebrochen worden. Seit wir den Hinweis am Zaun haben, ist nie wieder etwas passiert“, erklärt Fax’ Herrchen.

Nicht mit schlechter Laune, sondern gleich mit einem handfesten „Vorsicht bissiger Hund“, droht der Nachbar eine Querstraße weiter. Auch hier erscheint nach langem Klingeln an der Haustür zunächst der Hausherr – von Haushund keine Spur. „Ach Cora? Die muss ich erst mal suchen“, heißt es auf Anfrage. Die Schäferhundhündin ist mit Dösen im Garten beschäftigt und rafft sich noch nicht einmal zu einem Begrüßungs-Schnüffeln auf. Gefährlichkeitsgrad auf einer Skala von eins bis zehn? Null. „Aber Cora schlägt an, wenn’s dunkel ist – und wenn wir Glück haben“, lacht ihr Besitzer. Dafür ist das achtjährige Tier mit einer anderen Gabe gesegnet. Es hört am Schritt, wer kommt und von wem sie mit einem Leckerli zu rechnen hat.

Gleich nebenan prangt ein weiteres „Vorsicht bissiger Hund“ Schwarz auf Gelb am Gartenzaun. Und hier ist Schluss mit lustig. Freddy steht sofort auf der Matte. Der Labrador-Schäferhund-Mischling sucht aufdringlich Tuchfühlung, umschwänzelt Besucher und hechelnd wie wild, hält sich jedoch freundlicherweise mit Beißen zurück. Doch Herrchen warnt: „Vorsicht! Der ist total verschmust!“

Letzter Versuch. „Ich brauche 5 Sekunden bis zur Tür. Und Du?“ fordert das Schild am nächsten Zaun Besucher zum Duell auf. Gismo gewinnt. Der siebenjährige Yorkshire-Terrier hat einen Affenzahn drauf – nur leider kaum noch intakte Hundezähne drin. Mit Zubeißen wäre hier im Ernstfall nicht viel. Schwanzwedelnd hinterher trabt Rottweiler-Dame Joy. „Die ist neugierig und geht zu jedem hin“, erzählt das Frauchen des Hundegespanns. „Ich glaube, die würde sich sogar klauen lassen“, vermutet sie.

Zugegeben, die Suche nach bissigen Hunde-Ungeheuern war eine totale Pleite. Der Blick hinter die Warnschilder hat bis auf eine abgeschlabberte Hose und nach Leckerlis duftenden Händen (zum Glück) nichts ergeben – das heißt, eines doch: lauter nette Hundebekanntschaften.
 

Quelle: Cellesche Zeitung; Silja Weißer