Jenaerin rettet heimatlose Hunde auf Gran Canaria

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Als die Jenaerin Bianka Werchan vor Jahren das erste Mal während einer Sprachreise nach Gran Canaria kam, da fiel ihr gleich das Emblem der bekanntesten Kanarischen Insel auf: Zwei Hunde halten das Wappen von Gran Canaria, was übersetzt nichts anderes heißt als Insel der großen Hunde. Es sollte nicht die letzte Begegnung mit Hunden auf der Insel bleiben.

Im Jahre 2002 entschloss sich die freischaffende Fotografin, Jena zu verlassen und ganz auf die Insel zu ziehen. Sie fing in einem Hotel als Betreuerin für Urlauber an und arbeitete später als Verkäuferin und Gärtnerin. Und dabei kam die junge Frau zu ihrem ersten Hund auf Gran Canaria - eine kleine verletzte Hündin, die sie aufpeppelte. Blanquita wurde gesund und bekam bald Nachwuchs. Zwei Welpen behielten Bianka und ihr Mann Marc, den sie auf der Insel kennen-. und lieben gelernt hatte. Zwei andere Welpen konnten in liebevolle Hände vermittelt werden.

Doch dabei blieb es nicht. Kurze Zeit später kam ein Anruf: "Könnt ihr nicht einen kranken und misshandelten Hund aufnehmen, natürlich nur vorübergehend? Aus dem vorübergehenden Aufenthalt wurde eine Patenschaft. Boris, wie er genannt wurde, ist heute noch bei uns, neben vier Hunden, zwei Katzen, einem Leguan und einem Kanarienvogel. Aber Boris brachte uns endgültig auf die Idee, etwas für Hunde in Not zu tun."

Es entstand die Idee eines Tierheims auf Gran Canaria, und zwar für 50 Hunde und 50 Katzen mit Quarantänestation, Freilaufzone, Tierpension, Hundeschule und Informationsdienst für Kinder und Erwachsene. Ganz so gingen die Träume der Jenaerin jedoch bisher nicht in Erfüllung. Immerhin: Es entstand die Auffangstation "Vier Pfoten" für 15 Hunde und sechs Katzen.

Krachend voll ist die Station jetzt, und es könnten Tag für Tag noch mehr Vierbeiner werden, wenn es die Kapazität zuließe. Denn der Name Cran Canaria halte leider nicht das, was er verspreche, wie Bianka Werchan erfahren musste. Und sie erzählt von oft grauenvollen Erlebnissen - von blutenden, völlig abgemagerten, ausgetrockneten und verängstigten Hunden, deren Narben schlimme Schicksale vermuten lassen. Nähere Recherchen brachten furchtbaren Haltungsbedingungen zutage. Ein ganzes Hundeleben lang an der Kette, ohne Sonnen- und Regenschutz. "Manche Welpen finden wir in Mülltonnen oder auch in Tüten, bei Tierärzten abgestellt."

Ein übles Kapitel sei die Behandlung der vielen Jagdhunde auf der Insel. Wenn nämlich ein Jagdhund nicht die gewünschte Leistung bringe, dann wolle der Jäger seine gekränkte Ehre wiederherstellen, indem er das Tier am lebendigen Leibe töte, unter anderem durch Aufhängen, Totschlagen oder Verbrennen. Nicht besser seien die so genannten "Perreras", die einheimischen Tieraufnahme-Stationen, die gar nicht im Sinne des Tierschutzes arbeiten, wie Bianka Werchan betont. Acht Tage würden die aufgefundenen heimatlosen Tiere dort aufbewahrt. Wenn sie dann nicht abgeholt seien, würden sie in Gaskammern getötet.

Dagegen kämpft die Jenaerin auf Gran Canaria und baut derzeit noch eine extra Außenstation für Hunde auf. Sie ist auch jeden Sonntag ab 12 Uhr auf dem Flohmarkt an dem Strand "Paradiese Lost" anzutreffen, wo Tierfreunde Tier-Uhren, Kalender, Fotos und vieles mehr verkaufen, um wenigstens ein Stück Tierschutz auf der Insel zu finanzieren. Einige Sponsoren hat man auch schon gewinnen können.

Aber auch hierzulande kann man helfen durch Spenden auf das Konto "IBAN: Es3301825984790201510450, Bank BBVA, El Tablero/Maspalomas/Gran Canaria". Man kann aber auch Hunde von dort aufnehmen. So kündigte Bianka Werchan in einem Telefonat mit OTZ an, dass in den nächsten Tagen wieder einige Hunde auf große Reise nach Jena gehen. Hier sollen sie ein neues und glückliches Zuhause finden.


Quelle:
Ostthüringer Zeitung