Flugpaten Artikel 1
 

Von Cornelia Baumsteiger WDR

Hund in Transportbox; Rechte WDR (Standbild)Eine Urlauberin besucht auf Fuerteventura ein Tierheim in Puerto Rosario. Es gehört den beiden Tierschutzvereinen OKAPI und Tierhilfe Fuerteventura. Die Urlauberin möchte eine Hündin besuchen, die sie als Flugpatin nach Deutschland begleiten will. Den kleinen Mischling Fiesta hatte eine Freundin der Urlauberin vor Wochen in ihrer Hotelanlage auf der Insel gefunden und beschlossen, ihn zu behalten.

Da das Tier nicht geimpft war, konnte es nicht gleich mit nach Deutschland reisen. So wandte sich die Tierfreundin an OKAPI, gab die Hündin im Tierheim ab und versprach, sie später nachholen zu lassen. Inzwischen ist Fiesta geimpft und etwas aufgepäppelt worden, bereit für den Flug nach Deutschland zu ihrer neuen Besitzerin.

Tiere im Tierheim; Rechte WDR (Standbild)Alleine fliegen darf sie nur als „Fracht“, aber das ist sehr kostspielig. Deshalb warten die Tierschützer auf Fuerteventura auf einen Flugpaten: für Fiesta und für viele andere Hunde oder Katzen mit ähnlichem Schicksal.
Denn in den Tierheimen und Tierpensionen der Tierschützer, die in südeuropäischen Urlaubsländern um das Leben der vielen ausgesetzten und verlassenen Tiere kämpfen, sitzen trotz aller Bemühungen, auch vor Ort sinnvoll zu helfen, immer noch viele Hunde und Katzen, die auf eine neue Chance warten.

Der Reiseverkehr gibt ihnen dazu die Gelegenheit. Denn immer mehr Touristen werden auf das Elend aufmerksam und reagieren. Manche sammeln selber ein Tier ein, das sie gerne behalten möchten, andere besuchen ein Tierheim am Urlaubsort und finden dort den passenden Vierbeiner. Gleich mitnehmen können sie aber nur solche mit gültiger Impfung. Alle anderen müssen auf einen Flugpaten warten, der sie dem neuen Besitzer später nachbringt.

Der Urlauberin, die Fiesta anstelle ihrer Freundin mitnehmen will, entsteht dadurch wenig Mühe – so wie auch allen anderen Flugpaten. Seriös arbeitende Tierschutzvereine bemühen sich um Flugpaten und sorgen dafür, dass die Reise gut vorbereitet wird. Das heißt, jedes Tier wird mit gültigem und auf genau dieses Tier ausgestellten Impfausweis zum Flughafen gefahren, sicher untergebracht in einer bei allen Fluglinien erforderlichen Transportbox.

Impfausweis; Rechte WDR (Standbild)Vor dem Abflug kommen Flugpaten und Tierschützer an einem verabredeten Treffpunkt zusammen. Tier und Impfausweis werden übergeben, und die Tierschützer begleiten ihren Schützling und den Flugpaten weiter zum Abflug- und danach zum Sondergepäckschalter, von wo aus das Tier in die Maschine gebracht wird.
Jeder Tiertransport ist bei der entsprechenden Fluglinie angemeldet und von dort bestätigt worden. So sind am Schalter Probleme nicht zu erwarten.
Dem Flugpaten entstehen dabei keine Kosten. Immer mehr Linien verlangen zwar inzwischen Transportgebühren, diese zahlt aber der Tierschutzverein.

In jedem Fall sollten Tierfreunde, die sich als Pate zur Verfügung stellen, darauf achten, dass sie nur mit solchen Tierschützern Kontakt haben, die wirklich für einen renommierten Tierschutzverein tätig sind. Am sichersten ist es, sich vor der Reise nach einem vertrauenswürdigen Verein in der Nähe des Urlaubsorts zu erkundigen. Manchmal sind Reiseleiter gut informiert.

Viele Vereine machen aber auch vor Ort auf sich aufmerksam. Sie bieten dazu Informationsmaterial an, das Auskunft über ihre Aktivitäten gibt und über Partnervereine in Deutschland, die sich dort weiter um die Tiere kümmern. Jeder Interessent, der ihr Tierheim besichtigen möchte, ist willkommen.

Touristen sollten aber besonders vorsichtig sein, wenn sie erst in der Abflughalle als Flugpaten angeworben werden. Das muss kein Hinweis auf ein unseriöses Vorhaben sein. Es erweckt aber mehr Vertrauen, wenn der mögliche Flugpate genug Zeit hat, sich zu informieren und davon zu überzeugen, dass er wirklich nur im Auftrag und Sinn des Tierschutzes handelt.

Vor dem Abflug sollte der Flugpate sich unbedingt den Impfausweis zeigen und erklären lassen. Stimmt die Beschreibung nicht mit dem Tier, das transportiert werden soll, überein, weisen die Daten im Ausweis nicht eine mindestens vier Wochen und höchstens zwölf Monate alte Tollwutimpfung nach, sollte der Fugpate den Transport ablehnen.
Welpen, die jünger als zwölf Wochen sind, dürfen nur mit der Mutter reisen. Wird das nicht eingehalten, sollte der Flugpate auch in diesem Fall seine Mitarbeit verweigern.

Denn es gibt schwarze Schafe, die sich an Touristen wenden, und es ist nicht Sinn der Sache, dass gutmeinende Tierfreunde ungewollt am Tierhandel mitwirken. Bei seriösen Vereinen ist das nicht der Fall. Denn sie schicken in der Regel Tiere, die sich noch in ihrer Obhut befinden, für die sich aber bereits ein neuer Besitzer während des Urlaubs oder via Internet in Deutschland gefunden hat. Denn das Internet führt Europa auch im Tierschutz zusammen.

So können heute Interessenten, die sich ein Tier aussuchen möchten, auf den Seiten der meisten europäischen Vereine eines auswählen. Da die südländischen Mischlinge besonders beliebt sind und viele Tierfreunde helfen möchten, ihr Leben zu retten, sitzen in den Tierheimen und Pflegestellen zahlreicher südeuropäischer Tierschutzvereine Hunde und Katzen, auf die eine Familie in Deutschland wartet. Manche holen ihre Tiere selber ab, die meisten sind auf Flugpaten angewiesen, die in Vertretung der neuen Besitzer die Tiere mitnehmen.

Letzter Check; Rechte WDR (Standbild)
Die Angst, als Flugpate am Zielflughafen auf dem mitgebrachten Tier sitzen zu bleiben, ist deshalb unbegründet. Soweit möglich, warten die neuen Besitzer dort nämlich bereits auf ihren neuen Hausgenossen. Oder ein Partnerverein, das Partnertierheim, übernimmt erst einmal den Neuankömmling, um ihn vor der Übergabe an den Besitzer noch einmal durchzuchecken.

Bei der Ankunft am Zielflughafen muss der Flugpate sein Tier in der Flugbox am Sondergepäckschalter abholen, der in der Nähe des Gepäckbandes leicht zu finden ist. Auch wenn im innereuropäischen Flugverkehr oft keine Zollkontrollen mehr stattfinden, ist es ratsam, für alle Fälle den Impfausweis bereitzuhalten.

Hinter dem Zollbereich wartet immer ein Vertreter des zuständigen Tierschutzvereins, auch wenn der neue Besitzer selbst an den Flughafen gekommen ist und sein Tier gleich übernimmt. Der Tierschützer überwacht die ordnungsgemäße Übergabe des Tieres und seiner Papiere. Dann ist der Einsatz des Flugpaten beendet.

Viele Tierfreunde, die sich als Flugpaten zur Verfügung stellen, haben übrigens selber auf diesem Weg ihren Hund oder ihre Katze bekommen, oder es sind Menschen, die selber zwar kein Tier halten können, aber angesichts der bitteren Lage der „Herrenlosen im Süden“ wenigsten einem von ihnen helfen möchten, das neue Zuhause zu erreichen.

Es gibt zwar auch die Möglichkeit, Tiere mit Linienmaschinen als Fracht zu schicken, das ist aber überaus teuer, so dass Tierschutzvereine sich dies nicht leisten können und wollen. Innerhalb der EU ist der Transport mit Hilfe von Flugpaten deshalb eine gern genutzte Möglichkeit. Sie können in Vertretung eines bereits ermittelten neuen Besitzers handeln oder Tiere eines Tierheims im Süden zu einen angeschlossenen Tierheim in Deutschland mitnehmen. Dabei dürfen es immer nur maximal drei Tiere pro Person sein.

Jede Fluggesellschaft hat für den Transport allerdings eigene Bestimmungen. Das betrifft die Kosten für den Transport und die Anzahl der genehmigten Tiere. Für den Flugpaten ist das unerheblich. Denn die Tierschützer klären rechtzeitig mit den Linien Anzahl und Preis. Kein verantwortungsvoller Verein wird riskieren, dass vor dem Abflug Tiere am Flughafen stehen bleiben müssen.

Die Tendenz der Fluglinien, immer weniger Tiere pro Flug zu immer höheren Kosten zu befördern, hat auch mit dem oft wiederholten Vorwurf des Hundehandels zu tun. Doch seriös arbeitende Vereine, die dem Tierschutz verpflichtet sind, verdienen nicht an der Vermittlung der Tiere. Denn die laufenden „Unkosten“ (Impfungen, Kastration, Gesundheitscheck, OPs) sind in der Regel höher als die Vermittlungsgebühr. Gewerbemäßiger Tierhandel ist da nicht zu befürchten.

 

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