Der kranke Hund

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Die Familie möchte einen Windhund retten. Genauer gesagt, einen Galgo aus Spanien. Jahrelang ist dieser Hund nur gequält worden. Nach dem Ende der Jagdsaison hat der Jäger ihn loswerden wollen. Aber er hat den Hund nicht etwa in ein Tierheim gebracht, nein, er hat ihm die Ohren abgeschnitten, ihn beinahe zu Tode geprügelt und dann in den Wald geworfen. Der Jäger denkt, dass dieser Galgo seine Ehre verletzt hat, weil er keinen Hasen fangen konnte. Er war schon zu alt und zu langsam. Deswegen hat der Jäger seine Wut und Enttäuschung an dem alten Galgo ausgelassen.
Zum Glück ist der Hund von Tierschützern gefunden und gerettet worden.
Gerade noch rechtzeitig.
Nun sitzt er im Tierheim und wartet. Er friert, denn das Tierheim ist arm und hat keine Heizung. Seine abgeschnittenen Ohren haben sich entzündet, der Jäger hat ihm einige Rippen gebrochen, und der Galgo hat fürchterliche Angst vor Menschen. Er kann ihnen nicht mehr trauen.
Wenn sie ihn füttern wollen, kriecht er geduckt in die hinterste Ecke des Zwingers. Wenn er nur ihre Stimmen hört, beginnt er vor Angst zu zittern und erwartet Schläge.
Trotzdem ist er in Sicherheit. Er hat eine Decke, er bekommt Futter und Wasser, seine Wunden werden versorgt, und wenn er stark genug ist, um eine Narkose zu überstehen, werden seine gebrochenen Rippen operiert.
Aber im Tierheim kann der alte, kranke Galgo, den man TARO genannt hat, nicht auf Dauer bleiben.
Es muss eine Pflegefamilie für ihn gesucht werden. Das ist schwierig. In Spanien hält sich niemand einen Galgo als Familienhund. Nur die Tierschützer, und sie haben mehr als genug Hunde daheim. Sie können nicht jeden aufnehmen.

Nach einigen Wochen ist Taro operiert, hat zugenommen und ist nicht mehr ganz so panisch. Gestreichelt werden will er nicht, aber er weiß nun, dass die Menschen im Tierheim ihn nicht mehr schlagen und treten. Aber sein Misstrauen bleibt, denn er hat eine furchtbare Zeit hinter sich. Noch immer hat sich niemand gemeldet, der ihn aufnehmen möchte. Die Leute schrecken davor zurück, einen so alten und vielleicht sterbenskranken Hund zu retten.

Aber dann hat Taro Glück. Seine Familie hat ihn entdeckt. Es ist eine der ganz wenigen, die bereit ist, auch in Spanien einen Galgo zu adoptieren. Die Tochter ist im Tierschutz aktiv und hat ihre Eltern überzeugen können.
Sie stehen vor den Zwingern, sehen all die jämmerlichen Kreaturen, sehen all das Leid, und plötzlich entdecken sie Taro. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Noch weiß Taro nicht, welches Glück er gehabt hat, denn er kriecht zitternd in den hintersten Winkel. Er hat Angst vor den fremden Menschen, die aufgeregt riechen und ihm nicht geheuer sind.

Taro ist noch nie in einem Auto gefahren, und vor lauter Schreck pinkelt er auf den Rücksitz, heult und jault, weil er Schreckliches befürchtet. Aber niemand schreit ihn an, niemand schlägt ihn.
Im Gegenteil. Er betritt zum ersten Mal ein Wohnzimmer. Dort ist geheizt, dort steht in einer Ecke ein Korb mit einem weichen Polster, dort stehen Futter und Wasser bereit. Er flieht in diesen Korb, rollt sich ganz klein zusammen und duckt sich. Noch kann er den Menschen nicht trauen. Noch hat er Angst vor bösen Überraschungen. Aber eine Hand legt ihm Futter vor die Nase, legt dann eine weiche Decke über ihn.
Die Menschen lassen ihn alleine, um ihn nicht zu stören. Und Taro frisst.
Dann rollt er sich zusammen, es ist schön weich und warm, er seufzt zufrieden, und als die Frau einige Stunden später das Zimmer betritt, wedelt der alte Hund ein klein wenig mit dem langen Schwanz. Er hat endlich ein Zuhause gefunden.
 

 

 

 

 

Rebecca Sytlof ist Buchautorin und engagiert sich im Tierschutz. Ihr Buch finden sie hier.

 

Spaniens vergessene Hunde
von Rebecca Sytlof


Die Erlöse des Buchverkaufs kommen dem Tierschutz zugute.

 
 
 
copyright Text by Rebecca Sytlof, Bilder by spanischehunde.de
Bilder zeigen diverse Galgos
Text ist exklusiv für spanischehunde.de, Nachdruck und
Veröffentlichung nur mit unserer Erlaubnis